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"Onkel Wolli" wird 100

Heute vollendet der Ehrensänger sein 100. LebensjahrPapenburg. Der Fernseher läuft. WM-Fußball. Wie fast immer und überall in diesen Tagen. Wolbert Engeln hat sein Nickerchen nach dem Mittagessen beendet. Auf dem Tisch in seinem Zimmer im Papenburger Johannesstift hat er einen WM-Spielplan ausgebreitet. Fußball ist Engelns zweite große Leidenschaft. Die erste ist das Singen. Und wie. Der Papenburger ist seit 86 Jahren Mitglied im Männergesangverein (MGV) Aschendorfermoor von 1922. Dass eine derartige Vereinstreue im Deutschen Chorverband (DCV) einmalig ist, hat ihm der DCV bereits vor exakt einem Jahr anlässlich seines 99. Geburtstages in Form einer Urkunde bescheinigt. Heute wird Wolbert Engeln 100.

Seit 86 Jahren hält Wolbert Engeln dem MGV Aschendorfermoor die Treue. Heute vollendet der Ehrensänger sein 100. Lebensjahr. Unser Bild zeigt ihn mit dem MGV-Chronisten Hans Koop (links), Tochter Helen Trumpf und Neffe Gerd Engeln, der ebenfalls MGV-Mitglied ist. Foto: Gerd Schade

Heesters auf der Spur

Wenn die Bezeichnung "Urgestein" im Zusammenhang mit der öffentlichen Würdigung treuer Vereinsmitglieder jemals zutrifft, dann auf "Onkel Wolli", wie die Weggefährten im MGV ihren Ehrensänger liebevoll nennen. Ohne Unterbrechung gehört Engeln dem Chor an, dem er anno 1924 als 14-Jähriger beigetreten ist. Bis vor zwölf Jahren hat Engeln sogar selbst noch aktiv im MGV mitgesungen. "Singen ist seine Passion. Noch heute summt er manchmal mit, wenn er bei einer Musiksendung im Fernsehen eine Melodie erkennt", sagt Engelns Tochter Helen Trumpf. "Johannes Heesters singt schließlich auch noch", fügt der Altersjubilar hinzu. Heesters ist mit 106 Jahren der älteste aktive Unterhaltungskünstler der Welt. Und auch, wenn er es nicht direkt sagt, lässt sich Engelns Mimik im Hinblick auf Heesters – wenngleich nicht ganz ernst gemeint – durchaus so deuten: Was der kann, kann ich schon lange.

Wolbert Engeln spricht kurz vor seinem Ehrentag nur wenig. "Er ist aufgeregt", sagt seine Tochter. Sie berichtet, dass er gerne im Wintergarten des Johannesstifts sitzt, in das er vor drei Jahren gezogen ist. "Von dort aus beobachtet er den Gärtner und verfolgt den Wechsel der Jahreszeiten."

In der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des MGV (1997) erinnert sich Engeln in einem Gespräch mit dem Vereinschronisten Hans Koop an seinen Eintritt in den Männergesangverein. "Ganze 14 Lenze zählte ich, da nahmen meine Brüder mich mit zum Gesangverein." Er habe damals – im August 1924 – noch seine kurze Knabenhose getragen, als er mit seinen drei älteren Brüdern zur "Waldlust" stolziert sei, dem Vereinslokal des MGV. Der Chorleiter war seinerzeit der Schullehrer Köhne. Angefangen hatte Engeln als zweiter Tenor, wechselte dann aber in den zweiten Bass. "Ich fand Gefallen an dem Gesang und an der Gemeinschaft", wird er in der Chronik zitiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er sich im Kreise der Sangesbrüder die Sorgen von der Seele singen können. Auf diese Weise habe er die schwere Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, aus der Engeln 1948 zurückkehrte, und die enormen finanziellen Probleme in der Nachkriegszeit verarbeiten können.

Zeit zum Fußballgucken

"Onkel Wollis" Freude an deutschem Liedgut ist bis heute ungebrochen. Das wird auch der Männergesangverein würdigen, wenn er seinem Ehrensänger heute einige Geburtstagsständchen darbietet. "Wir pflegen nach wie vor das Liedgut aus dem Repertoire von früher", betont MGV-Chronist Koop.

Wenn der Geburtstagstrubel vorbei ist, hat Wolbert Engeln wieder mehr Zeit zum Fußballgucken. Morgen will er auf jeden Fall das zweite WM-Spiel der Deutschen sehen. Den Auftritt der Löw-Elf gegen Australien hat der Papenburger verpasst. Die Anstoßzeit am Sonntagabend war ihm zu spät. Am Freitag stehen die Chancen besser, denn der Anpfiff erfolgt bereits um 13.30 Uhr. Das Nickerchen nach dem Mittagessen muss dann gegebenenfalls warten.

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Quelle: Ems-Zeitung
Autor: Gerd Schade
Veröffentlicht am 17.06.2010
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